1895 bis heute
Unsere Geschichte
Tradition, Gewässerpflege und Jugendarbeit von 1895 bis heute — von der Gründung durch den Landrat bis zum Vereinsheim im alten Wasserwerk.
Kap. 01 · Die Gründung 1895
Ein Landrat lädt ein — und ein Verein entsteht
Am 04. Mai 1895 trafen sich auf Einladung des Landrates Dr. von Berkerath die Fischereisachverständigen und -interessenten des Kreises Simmern. Noch am selben Tag war der Verein gegründet.
Den Anstoß hatte der preußische Landwirtschaftsminister gegeben: Der Fischbestand der heimischen Gewässer sollte gehoben und ihre rationelle Bewirtschaftung gefördert werden — staatliche Beihilfe wurde dafür in Aussicht gestellt.
Die Anwesenden — der Landrat, drei Bürgermeister, sieben Förster und vier Lehrer — gründeten den Verein ohne Umschweife. Zum ersten Vorstand wurden gewählt: Landrat Dr. von Berkerath als 1. Vorsitzender, Oberförster Bindseil als sein Stellvertreter, Direktor Osterspey als Schriftführer und Kassierer sowie Lehrer Pfeiffer als dessen Stellvertreter. Dazu kamen acht Beisitzer — aus jeder Bürgermeisterei einer. Als Vorbild für die eigene Satzung diente das Statut des Kreisfischereivereins Mayen.
Die Satzung wurde am 23. November 1895 verabschiedet. Mitglied werden konnte jeder unbescholtene Freund der Fischerei — für einen Jahresbeitrag von einer Mark. Geworben wurde mit Plakaten in den Ämtern und Wirtschaften des Kreises, und noch im Gründungsjahr zählte der Verein bereits 90 Mitglieder.
Der erste Haushalt: 50 Mark für Druckkosten, 30 Mark für Prämien und 30 Mark für die Brutanstalt für Forellen in Bubach — gedeckt durch 300 Mark der Provinzialregierung sowie je 50 Mark von Kreisausschuss und landwirtschaftlicher Lokalabteilung.
Quelle: Kreislexikon Mettmann – Dr. Gustav Adolf von Beckerath
- Gründung04. Mai 1895
- Satzung23. November 1895
- Jahresbeitrag1 Mark
- Mitglieder im 1. Jahrbereits 90
Die fünf Vereinszwecke von 1895
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Vermehrung des Fischbestandes
Durch das Aussetzen von Eiern und Brut, durch Belehrung über die Bewirtschaftung und durch Beihilfen.
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Beachtung der Fischerei-Verordnungen
Strenge Beachtung der bestehenden Fischerei-Verordnungen.
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Verfolgung von Fischereivergehen
Konsequente Verfolgung von Fischereivergehen — mit Prämien für erfolgreiche Anzeigen.
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Prämien für Fischreiher und Fischotter
Prämien für erlegte Fischreiher und Fischotter waren vorgesehen — ausgezahlt wurde jedoch nie eine einzige.
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Reinhaltung der Gewässer
Verhütung der Verunreinigung der Gewässer.
Kap. 02 · Aus den ersten Jahren
Anekdoten aus der Gründerzeit
Die alten Protokolle erzählen von Eifer, Strenge und erstaunlich modernem Naturverständnis.
Namhafte Referenten
Zwanzig Jahre lang fand kaum eine Versammlung ohne namhaften Referenten statt — Belehrung und Fortbildung gehörten von Anfang an zum Vereinsleben.
Strenge Aufsicht
Anzeigen von Fischereivergehen wurden belohnt — und ernst genommen: 1896 wurde ein Fischfrevler zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Reiher und Otter verschont
Obwohl die Satzung Prämien für erlegte Graureiher und Fischotter vorsah, wurde in all den Jahren nie eine einzige ausgezahlt.
Sorge um die Bäche
Schon früh klagte man über die intensive Waldwirtschaft: „Erlenbestände … in Nadelholz umgewandelt“ — der Schutz der Ufer war ein Dauerthema.
Brutanstalt Petersborn
Im Distrikt Petersborn bei Bubach entstand eine Forellenteichanlage mit Bruthaus — betreut von Förster Mittnacht.
Besatz mit Augenmaß
Bevorzugt wurden Bachforellen besetzt, versuchsweise auch Regenbogenforellen, Bachsaiblinge und Äschen. Pfarrer Oertel aus Neuerkirch empfahl 1897 zudem, das Wiesel zu schonen — es stellt den Wasserratten nach.
Kap. 03 · Chronik
Von der Krebspest bis zum Bahneweiher
Mehr als 130 Jahre Vereinsgeschichte im Zeitraffer — mit Brüchen, Neuanfängen und vielen Glanzpunkten.
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1898
Nach der Krebspest werden die Bäche des Kreises mit Krebsen besetzt.
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1899
Die Brutanstalt in Bubach ist fertiggestellt — jede Bürgermeisterei erhält fortan jährlich 1.000 Stück fressfähige Brut.
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1926
Generalversammlung unter Landrat Dr. Josten: Der Verein hatte während der französischen Besatzung „geschlafen“. Der Beitrag beträgt nun 2 Reichsmark.
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1927
Jährlich werden 250 Jungfische je Kilometer Bachlauf ausgesetzt. An Forellenbrut erhalten Kastellaun 5.000, Ohlweiler 3.000 und Simmern 5.000 Stück, an Setzlingen Gemünden 800, Kirchberg 600 und Rheinböllen 600.
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1930–1939
Die Bachregulierungen sind das Hauptthema. Ein kluger Beschluss: Die Gemeinden ermäßigen die Pacht für zwei bis drei Jahre bis zur Hälfte — das eingesparte Geld fließt in den Besatz.
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1939–1950
Der Verein ruht vollständig.
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1950
Neugründung am 1. März durch Philipp Lorenz mit 23 Teilnehmern. Den Vorstand bilden Lorenz, Karl Brandis und Friedrich Schmitt — Letzterer bleibt Kassierer bis 1976! Der Verein bekommt einen neuen Charakter: sportlich und gesellig, mit fast jährlichen Gemeinschaftsfischen.
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1958
Beitritt zum Landesverband der Sportangler Rheinland-Pfalz.
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1960
Mit dem Völkenbacher Weiher pachtet der Verein sein erstes eigenes Gewässer — der Vertrag wird nach wenigen Jahren wieder gelöst (Wildschutzpark Rheinböllen).
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1972
Der Verein ist auf rund 40 Mitglieder geschrumpft. Der Wiederaufbau gelingt mit Unterstützung von ESV Simmern, ASV Bretzenheim und ASV Krott Stromberg.
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1975
Die Jugendgruppe entsteht — 1977 wird sie dem Verein offiziell angegliedert und nimmt junge Angler ab 10 Jahren auf. Ebenfalls seit 1975 bietet der Verein jährlich einen Vorbereitungslehrgang zur Fischerprüfung an — in Rheinland-Pfalz einmalig!
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1981
Der Verein erhält den ersten Umweltschutzpreis des Rhein-Hunsrück-Kreises.
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Anfang der 1980er
Der Simmerbach in der Gemarkung Simmern wird gepachtet.
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1986
Pachtverträge über 12 Jahre für Simmerbach und Külzbach werden geschlossen; die Teichanlage Tiefenbach wird auf drei Weiher ausgebaut. Im selben Jahr fährt die Fischerjugend ins Zeltlager nach Fehmarn — mit Hochsee- und Brandungsfischen. Ein herzlicher Dank gilt Jugendwart Johannes Pucknat und seiner Frau sowie Hans und Gertrud Woll.
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1993
Busausflug zur Gewässererkundung nach Miltenberg am Main — ein besonderer Verdienst von Kassierer Erwin Lucas.
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2003
Unter Vorsitzendem Dieter Langkammerer erwirbt der Verein das alte Wasserwerk Simmerbach von der Stadt — Vereinsheim und Lager der Fischerfestküche sind damit unter einem Dach vereint.
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2007
Der Simmersee kommt zu den Vereinsgewässern — die obere Wasserbehörde erhofft sich daraus Rückschlüsse auf die Fischvielfalt.
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2022
Der Pachtvertrag für die Weiheranlage Tiefenbach wird nicht verlängert.
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2024
Das Anfischen mit Forellenbesatz findet erstmals gemeinsam mit dem ESV am Bahneweiher statt. Die Fischereiausbildung gehört weiterhin zu den wichtigsten Aufgaben des Vereins. Unter Ausbildungsleiter Uwe Berg werden regelmäßig Vorbereitungslehrgänge und Praxistage zur Fischerprüfung durchgeführt.
Fischerfest: Seit über 20 Jahren ist das Fischerfest fester Bestandteil des Vereinslebens — zum Jubiläum entstand zudem die Castinganlage in Tiefenbach.
Kap. 05 · Vorsitzende
Die Vorsitzenden seit 1895
Vom Landrat über Förster, Gastwirte und Kaufleute bis heute — die Männer an der Spitze des Vereins.
| Zeitraum | Vorsitzender |
|---|---|
| 1895–1905 | Landrat Dr. von Berkerath |
| 1905–1906 | Oberförster Bindseil |
| 1906–1920 | Landrat Dr. Brandt |
| 1920–1926 | Bürgermeister Meckel |
| 1926–1932 | Landrat Dr. Josten |
| 1932–1937 | Landrat Weihe |
| 1937–1939 | Gastwirt Philipp Lorenz |
| 1950–1959 | Gastwirt Philipp Lorenz |
| 1959–1971 | Kaufmann Heinrich Lang |
| 1971–1995 | Norbert Niederschäfer |
| 1995–2003 | Stefan Teich |
| 2003–2011 | Dieter Langkammerer |
| seit 2011 | Heinz Moldenhauer |
Seitdem prägen Gewässerpflege, Besatzmaßnahmen, Ausbildung, Naturschutz und Vereinsgemeinschaft die Arbeit des Vereins.
Simmern, 15.07.2024. Quellen: Informationsmappe Kreisfischereiverein von 1895 Simmern e.V.; ab Sommer 1986 Kommentare von Martin Birk.
Kap. 06 · Heute und Zukunft
Der Verein entwickelt sich weiter
Tradition bewahren und gleichzeitig die Zukunft gestalten – dafür steht der Kreisfischereiverein von 1895 Simmern e.V. auch heute.
Ausbau des Vereinsheims
Das Vereinsheim im ehemaligen Wasserwerk wird kontinuierlich weiter ausgebaut und modernisiert. Viele Arbeiten werden in Eigenleistung durchgeführt und zeigen das große Engagement der Vereinsmitglieder für ihren Verein.
Wiederbelebung des Fischerfestes
Nachdem das Fischerfest zuletzt ausfallen musste, arbeitet der Verein daran, die Veranstaltung wieder zu etablieren. Geplant ist zunächst eine Durchführung in kleinerem Rahmen rund um das Vereinsheim.
Ausbildung und Nachwuchs
Die Vorbereitung auf die Fischerprüfung gehört weiterhin zu den wichtigsten Aufgaben des Vereins. Unter Ausbildungsleiter Uwe Berg werden regelmäßig Vorbereitungslehrgänge und Praxistage angeboten.
Gewässer und Naturschutz
Mit Simmerbach, Simmersee und Külzbach betreut der Verein wertvolle Gewässer im Hunsrück. Gewässerpflege, Besatzmaßnahmen und der Schutz natürlicher Lebensräume bleiben zentrale Aufgaben der Vereinsarbeit.
Blick nach vorn: Der Kreisfischereiverein von 1895 Simmern e.V. verbindet auch heute Tradition, Ausbildung, Naturschutz und Gemeinschaft. Damit wird die über 130-jährige Vereinsgeschichte erfolgreich fortgeschrieben.