Geschichtliche Entwicklung des Kreisfischereivereins
Am 04. Mai 1895 trafen sich auf Einladung des Landrates Dr. von Berkerath die Fischereisachverständigen und Fischereiinteressenten des Kreises Simmern. Zweck der Versammlung war, - auf Anregung des preußischen Landwirtschaftsministers – geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den Fischbestand in den heimischen Gewässern zu heben und auf rationelle Fischereibewirtschaftung hinzuwirken. Hierfür wurde den Vereinen angemessene staatliche Beihilfe in Aussicht gestellt.
Die Anwesenden (Landrat, 3 Bürgermeister, 7 Förster, 4 Lehrer) beschlossen sofort, einen entsprechenden Verein zu gründen.
Als Vorstand wurde gewählt:
1.Vorsitzender: Landrat Dr. von Berkerath
Stellvertreter: Oberförster Bindseil
Schriftführer und Kassierer: Direktor Osterspey
Stellvertreter: Lehrer Pfeiffer
Außerdem sollten 8 Beisitzer – aus jeder Bürgermeisterei des Kreises einer – durch die nächste Generalversammlung gewählt werden.
Ähnliche Kreisfischereivereine waren bereits in Rheinbach und Mayen gegründet. Das Statut von Mayen wurde als geeignetes Vorbild für die eigene Satzung angesehen.
Als Vereinszwecke wurden beschlossen:
a) Vermehrung des Fischbestandes durch Beschaffung von Eiern und Brut, durch Belehrung (Vorträge und Wanderkurse) und Beihilfen zu zweckmäßigen Anlagen.
b) Strenge Beachtung der gesetzlichen Verordnungen über die Fischerei
c) Verfolgung von Fischereivergehen und Aussetzung von Prämien für erfolgreiche Anzeige solcher Vergehen.
d) Aussetzung von Prämien für erlegte Fischreiher und Fischotter.
e) Verhütung der Verunreinigung von Fischwassern durch schädliche Stoffe.
Die Postulate wurden am 23. November 1895 in die Satzung eingebracht. Zudem wurde beschlossen, dass jeder unbescholtene Freund der Fischerei Mitglied werden kann.
Der im Januar fällige Jahresbeitrag betrug eine Mark pro Mitglied.
Am 23. November 1895 zählte der Verein bereits 90 Mitglieder.
In der Versammlung wurde beschlossen, in den Ämtern und Wirtschaften Plakate auszuhängen, in denen die Zwecke des Vereins und die hauptsächlichen Vorschriften über Schonzeiten bekannt gemacht werden.
Im Haushaltsplan wurden folgende Ausgaben beschlossen:
- 50 Mark für den Druck der Satzung und der Plakate.
- 30 Mark für die Prämien.
- 30 Mark für die Errichtung einer Brutanstalt für Forellen in Bubach.
Hierzu kamen noch 300 Mark von der Provinzialregierung.
Der Landrat teilte mit, dass der Kreisausschuss und die landwirtschaftliche Lokalabteilung den Verein mit je 50 Mark unterstützen.
Aus heutiger Sicht ist erstaunlich, dass bei fast jeder Versammlung in den nächsten 20 Jahren ein namhafter Referent gefunden wurde, der die Mitglieder des Vereins über fischereiliche oder rechtliche Fragen unterrichtete.
Was die ausgesetzten Prämien angeht, berichtet die Chronik häufig von Belohnungen bei der Anzeige von Fischereivergehen.
Wie hart das Gesetz mit solchen Missetätern umging, zeigt ein Vermerk von 1896, der die Bestrafung eines Fischfrevlers mit drei Monaten Gefängnis vermeldet.
Erfreulicherweise wurden niemals Prämien gezahlt für erlegte Graureiher und Fischotter.
Schon in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts wird von Fischereifachleuten häufig die negative Auswirkung der intensiven Waldwirtschaft beklagt („Erlenbestände und Brucharten werden in Nadelholz umgewandelt“).
Ein wichtiger Punkt in der Arbeit der ersten Jahre war die Errichtung einer vereinseigenen Forellenteichanlage mit Bruthaus im Distrikt Petersborn bei Bubach. Diese Anlage wurde nach Abschluss eines entsprechenden Vertrages von Förster Mittnacht in Bubach bewirtschaftet.
Aus heutiger Sicht wurde von den Mitgliedern überraschend viel Fachwissen eingebracht. Die Frage der Besatzfische wurde lange diskutiert; letztendlich einigte man sich darauf, Bachforellen den Vorzug zu geben. Versuchsweise sollten in den unteren Gewässerregionen Regenbogenforellen, Bachsaiblinge und Äschen eingesetzt werden.
Pfarrer Oertel aus Neuerkirch empfahl schon 1897 die Schonung des Wiesels, da er häufig beobachtet habe, dass die Wiesel den Wasserratten sehr nachstellen.
1898 stand besonders der Besatz der Bäche mit Krebsen im Vordergrund, nachdem diese durch die Krebspest weitgehend ausgerottet waren.
1899 wurde die Brutanstalt in Bubach fertiggestellt, die laut Vertrag jährlich 1.000 Stück fressfähige Brut für jede Bürgermeisterei des Kreises bereitstellen musste.
Fast immer unter der Leitung des Landrates als 1. Vorsitzenden erzielte der Verein bis in die zwanziger Jahre durchaus positive Ergebnisse bei der Anhebung der Fischbestände in den heimischen Gewässern.
1926 lud der Landrat Dr. Josten zu einer Generalversammlung ein, nachdem – so die Chronik – „der Verein mehrere Jahre hauptsächlich infolge der zahlreichen Anweisungen geschlafen hatte“ (französische Besatzung). Die Satzung wurde weitgehend beibehalten; der Jahresbeitrag wurde auf zwei Reichsmark festgelegt.
1927 setzte die Kommission des Vereins fest, dass auf 1 km Bachlauf alljährlich 250 Jungfische vom Pächter einzusetzen sind. Zudem erhalten im Frühjahr die Bürgermeistereien Kastellaun 5.000, Ohlweiler 3.000 und Simmern 5.000 Stück Forellenbrut. Im Herbst erhalten an Setzlingen die Bürgermeistereien Gemünden 800, Kirchberg 600 und Rheinböllen 600 Stück.
Zwischen 1930 und 1939 steht bei den Versammlungen häufig das Problem der Bachregulierungen im Vordergrund. Immer wieder wird von den Pächtern gefordert, die Pacht zu reduzieren, um die negativen Folgen der Regulierung auszugleichen. Hier wird von den Versammlungen ein außerordentlich kluger Beschluss gefasst: Die Gemeinden sollen die Pachten für 2-3 Jahre bis zur Hälfte ermäßigen; die eingesparten Mittel müssen aber für Besatzmaßnahmen verwendet werden.
Von 1939 bis 1950 ruht der Verein vollständig.
Der 1937 gewählte Vorsitzende, Gastwirt Philipp Lorenz aus Gemünden rief am 01. März 1950 eine Versammlung zur Neugründung des Vereins ein. Gemäß Besatzungsrecht galten alle Vereine nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches als aufgelöst.
An der Versammlung nahmen 23 Personen teil. Die Satzung blieb weitgehend unverändert.
Als Vorstand wurde gewählt:
1.Vorsitzender: Philipp Lorenz, Gemünden
Stellvertreter: Karl Brandis, Simmern
Schriftführer und Kassierer: Friedrich Schmitt, Simmern
Als Beisitzer wurde aus jeder Bürgermeisterei des Kreises ein Beisitzer gewählt.
Erwähnenswert ist, dass Friedrich Schmitt das Amt des Kassierers bis 1976 wahrgenommen hat, noch heute dem Verein die Treue hält und noch immer aktiver Angler ist.
Ab 1950 erhielt der Kreisfischereiverein einen völlig neuen Charakter.
War er in der Vergangenheit eine weitgehend von der Obrigkeit beeinflusste Interessengemeinschaft aus Pächtern und interessierten Fischern, in der die Bürgermeister, Förster, Lehrer und Pfarrer den Ton angaben, so wandelte sich das Bild jetzt in die Richtung, wie wir die Angelvereine heute noch kennen. Im Vordergrund der Arbeit standen nun neben den fischerlichen auch die sportlichen und geselligen Aspekte. Fast jährlich wurden Gemeinschaftsfischen durchgeführt.
1958 wurde der Beitritt zum Landesverband der Sportangler Rheinland-Pfalz beschlossen.
1960 erhielt der Verein mit der Anpachtung des Völkenbacher Weihers erstmals ein eigenes Gewässer. Bereits nach wenigen Jahren wurde jedoch der Pachtvertrag nach Inbetriebnahme des Wildschutzparkes Rheinböllen wieder gelöst.
In Anbetracht der desolaten Gewässersituation kam es in den folgenden Jahren zur Neugründung von eigenständigen Fischereivereinen:
-ASV Forelle Kellenbach
-ASV Verbandsgemeine Kirchberg
-ASV Kastellaun
-ASV Guldenbach Rheinböllen
-SAC Gemünden
-ASV Kauerbach Unzenberg
-ASV Kisselbach
-ASV Bergenhausen
-ASV Biebertal
-FV Ravengiersburg
Mit all diesen Vereinen pflegt der Kreisfischereiverein bis heute gute nachbarschaftliche Beziehungen.
Der 1972 auf ca. 40 Mitglieder geschrumpfte Kreisfischereiverein begann dann allmählich seinen Wiederaufbau. Mit großer kameradschaftlicher Unterstützung durch den ESV Simmern, den ASV Bretzenheim und den ASV Krott Stromberg konnte weiterhin das Vereinsleben gesichert werden, wenn auch die meisten Aktivitäten an der Mosel stattfanden.
Anfang der 80er Jahre konnte dann der KFV den Simmerbach in der Gemarkung Simmern anpachten; 1986 wurden Pachtverträge für 12 Jahre über Simmerbach und Külzbach abgeschlossen.
Gleichzeitig gelang es, in Tiefenbach ein Gelände anzupachten, auf dem bereits ein Fischweiher vorhanden war. Diese Anlage wurde zwischenzeitlich auf 3 Weiher ausgebaut. Somit stehen seit ca. 10 Jahren den Vereinsmitgliedern wieder attraktive Fischgewässer zur Verfügung.
Seit 1977 ist dem Verein eine Jugendgruppe angegliedert, in der Jugendliche von 10 Jahren an eine sinnvolle Freizeitgestaltung und Ausbildung in allen Fragen des Naturschutzes und der Angelfischerei geboten wird.
Aufgrund seiner aktiven Umweltarbeit erhielt der KVF Simmern 1981 den erstmals vergebenen Umweltschutzpreis des Rhein-Hunsrück-Kreises.
Seit Inkrafttreten des Landesfischereigesetzes in 1975 führt der KFV jedes Jahr einen Vorbereitungslehrgang zur Fischerprüfung durch. Diese Leistung ist in Rheinland-Pfalz einmalig.
Auch das seit über 20 Jahren durchgeführte Fischerfest ist inzwischen aus dem gesellschaftlichen Leben der Kreisstadt nicht mehr wegzudenken.
Gleichzeitig zum Jubiläum wird an der Teichanlage in Tiefenbach eine Castinganlage in Betrieb genommen.
Im Sommer 1986 fährt die Fischerjugend zum Zeltlager nach Fehmarn. Hochseefischen und Brandungsfischen stehen auf dem Programm. Herzlichen Dank am Jungendwart Johannes Pucknat und Frau und Hans und Gertrud Woll für die Organisation und Begleitung der Tour.
1993 Auf Betreiben des Vorstandes, besonders vom Kassierer Erwin Lucas fährt der Verein fast geschlossen zu einem Busausflug, der zur Gewässererkundung nach Miltenberg am Main. Allen Teilnehmern ist diese gemeinschaftsbildende Tour in guter Erinnerung.
2003 Vorsitzender Dieter Langkammerer kann den Erwerb des alten Wasserwerkes Simmerbach von der Stadt Simmern verkünden.
Ab sofort ist Vereinsheim und Lagerstätte der Fischerfestküche an einem Ort vereint.
2007 zu den Vereinsgewässern Simmer- und Külzbach kann jetzt für die Mitglieder auch der Simmersee beangelt werden. Die obere Wasserbehörde erhofft sich so Rückschlüsse auf die Fischvielfalt im neuen Gewässer mit Anschluss an den Simmernbach.
2022 Der Pachtvertrag mit der Weiheranlage in Tiefenbach wird nicht verlängert.
2024 das traditionelle Anfischen mit Forellenbesatz findet erstmals in Kooperation mit dem ESV am Bahneweiher statt. Im September startet wieder ein neuer Lehrgang zur Fischerprüfung im Vereinsheim. Ein herzliches Dankeschön an den Dozent und Angelkamerad Uwe Berg für das Angebot.
Simmern, 15.07.2024 Quellen:
Informationsmappe Kreisfischereiverein von 1895 Simmern e.V.
Ab Sommer 1986: Kommentare von Martin Birk
Vorsitzende des KFV Simmern
| Zeitraum | Vorsitzender |
|---|---|
| 1895 - 1905 | Landrat Dr. von Berkerath |
| 1905 - 1906 | Oberförster Bindseil |
| 1906 - 1920 | Landrat Dr. Brandt |
| 1920 - 1926 | Bürgermeister Meckel |
| 1926 - 1932 | Landrat Dr. Josten |
| 1932 - 1937 | Landrat Weihe |
| 1937 - 1939 | Gastwirt Philipp Lorenz |
| 1950 - 1959 | Gastwirt Philipp Lorenz |
| 1959 - 1971 | Kaufmann Heinrich Lang |
| 1971 - 1995 | Norbert Niederschäfer |
| 1995 - 2003 | Stefan Teich |
| 2003 - 2011 | Dieter Langkammerer |
| 2011 - | Heinz Modenhauer |
Seitdem prägen Gewässerpflege, Besatzmaßnahmen, Ausbildung, Naturschutz und Vereinsgemeinschaft die Arbeit des Kreisfischereivereins.